TU München (Stammgelände)

Von der Dampfbeheizung zu einem effizienten Warmwassersystem

Um ihre Energiekosten und die CO2-Emissionen zu reduzieren, entschied sich die TUM in 2009 für die Umstellung ihres veralteten Dampf-Nahwärmesystems auf ein effizientes Warmwasser-System. Erste Gebäude wurden 2011 in Eigenregie auf ein neues Teilnetz umgestellt. Eine Erweiterung des Teilnetzes soll in 2014 durch einen Contractor erfolgen.

Eine vollständige Umstellung auf Warmwasserbeheizung wird jedoch erst in einigen Jahren möglich sein, da noch acht von über 30 Gebäuden auf dem Stammgelände in der Münchner Innenstadt modernisiert werden müssen. Das alte und das neue System müssen daher noch weiter parallel betrieben werden. Und da die Mensa für den Betrieb der Kochgeräte auch zukünftig Dampf benötigt, erhält die TUM einen neuen, dezentralen Schnelldampferzeuger.

Eine komplexe Aufgabe

Entscheidend für den Projekterfolg war die zeitlich perfekt abgestimmte Integration aller Umbauschritte und Leistungsbereiche in einem einzigen Leistungsverzeichnis. Dabei gab es vier zentrale Ausschreibungsinhalte: Der Weiterbetrieb des Dampfsystems, die Übernahme des Teilnetzes, die Erweiterung des Teilnetzes und der Wärmeerzeugung sowie der Bau des Schnelldampferzeugers im Rahmen eines 20-jährigen Wärmelieferungsvertrages.

Mit Unterstützung eines Planungsbüros und eines spezialisierten Anwalts entwickelte ECOTEC die Contracting-Ausschreibung mit den Mitarbeitern der TUM, die schließlich in einen EU-weiten Teilnahmewettbewerb mit Verhandlungsverfahren mündete. Die ECOTEC-Beratungsleistungen umfassten neben der Erstellung des Leistungsverzeichnisses die energiewirtschaftlichen Beratungsleistungen, zum Beispiel

  • eine fundierte Verbrauchsprognose,
  • die Analyse der Gasnetzanschlusssituation,
  • die Rahmenbedingungen des Nebenangebotes (Fernwärme oder BHKW),
  • die Synchronisierung bestehender Erdgaslieferverträge
  • die Entwicklung von vergaberechtskonformen Grund- und Arbeitspreisklauseln.

Ziel erreicht – und mehr

In enger Zusammenarbeit mit ECOTEC gelang es dem Projektteam der TUM ein präzises Leistungsverzeichnis zu erstellen, welches den Zielen der Universitätsführung hinsichtlich Kosten- und Emissionsreduzierung entsprach. Hinzu kam ein erheblicher Zeitgewinn, da zukünftig der Contractor für die Anlagen verantwortlich ist und die Abrechnung mit den externen Nutzern vorbereitet.

Hintergrund: Energieliefer-Contracting

Einen wichtigen Kostenfaktor stellt heute die Energieversorgung mit Strom und Wärme dar, insbesondere wenn für die vorhandene Energieversorgungsanlage akuter Sanierungsbedarf besteht. Das Konzept des Energieliefer-Contractings ist dabei gerade für Industrieunternehmen sowie Liegenschaften mit hohem Energiebedarf eine sehr interessante Alternative zur Umsetzung der Sanierung in Eigenregie.

Der Contractor errichtet und finanziert in diesem Modell eine bedarfsgerechte, effiziente Energieversorgungsanlage, beispielsweise eine neue Heizkesselanlage oder ein BHKW. Dabei werden moderne Technik und, wenn gefordert, auch erneuerbare Energien eingesetzt. Der Contractor übernimmt dann die Betriebsführung sowie die Instandhaltung der Anlagen. Über einen Vertragszeitraum von etwa 10 bis 20 Jahren liefert er Wärme und Strom an den Auftraggeber zu vertraglich vereinbarten Preiskonditionen. Dabei liegt sein wirtschaftliches Interesse vor allem auf dem effizienten Betrieb der Anlagen.